Themen

Die Erarbeitung des Programms einer digitalen Diskursanalyse mit der systematischen Beschreibung geeigneter Beschreibungskategorien und Methoden ist ein Desiderat im Bereich der noch relativ jun- gen Teildisziplin der Diskurslinguistik. Gegenstand des beantragten Netzwerks ist die Klärung zentra- ler theoretischer und methodologischer Fragen bei der Analyse digitaler Diskurse. Die Bearbeitung der Thematik erfolgt deshalb in zwei Schritten:

Teilthematik 1: Digitale Methoden und Methoden der Korpuslinguistik werden im Hinblick auf die Anforderungen einer digitalen Diskurslinguistik evaluiert bzw. weiterentwickelt. Mit den institutio- nellen Kooperationspartnern sollen Lösungsvorschläge erarbeitet werden, wie diese Methoden in bestehende digitale Ressourcen implementiert werden können, um digitale Texte mit allen rele- vanten Metadaten als Datenmaterial für digitale Diskursanalysen in bereits existierende Infrastruk- turprojekte einzugliedern.

Teilthematik 2: Zunächst werden Spezifika von Diskursen in digitalen Medien diskutiert und dann in ein Inventar an adäquaten Beschreibungskategorien überführt, um diskurslinguistische Analy- semodelle zu digitalen Diskursanalysen zu befähigen. Folgende Schwerpunkte werden dabei be- arbeitet:

  • a. Multimodalität
  • b. Macht und Konflikt
  • c. Multilingualität bzw. Multikulturalität

Dabei soll auch Beachtung finden, dass digitale Diskurse nicht isoliert in digitalen Medien erscheinen: Im Projekt sollen Interdependenzen digitaler Diskurse mit nicht-digitalen Diskursen in den Blick ge- nommen werden, um die transmediale Dimension der Diskurse zu klären.

Diese beiden Teilthematiken und Schwerpunkte sollen in Fallstudien herausgearbeitet werden, die die Netzwerk-Mitglieder aus ihren bereits laufenden Projekten zu digitalen Diskursen ausgliedern. Das Netzwerk versteht sich als eine Plattform, die den Austausch über die theoretischen und methodischen Grundlagen der Arbeit mit digitalen Daten im Bereich der Diskurslinguistik fördert und die Anforderungen für eine digitale Diskurslinguistik systematisch erarbeitet. Folgende Fallstudien und Projekte bringen die Netzwerk-Mitglieder in die Arbeit des Netzwerks ein:

Dr. Noah Bubenhofer: Visual Linguistics: Grundlagen der Visualisierung von sprachlichen Daten

Das Habilitationsprojekt von Noah Bubenhofer entwirft den theoretischen Rahmen für „Visual Linguistics”: Welche Traditionen von Praktiken wissenschaftlicher Visualisierungen existieren in der Sprachwissenschaft und welchen Status und welche Funktion haben solche Visualisierungen insbesondere im Kontext der digitalen Linguistik, die sprachliche „Big Data” verarbeitet und Visualisierungen für die Exploration der Daten benutzt? Visualisierungen sind als „Diagramme” eine besondere Zeichenform und stellen Sprachgebrauchsmuster und Korrelationen in Sprachdaten nicht einfach dar, sondern stehen in einer „entwerfenden Ähnlichkeit” zum Gemeinten.

Vor allem zwei Aspekte der „Visual Linguistics“ werden im Zusammenhang mit der Teilthematik 1 fokussiert: 1) Wenn digitale Daten für die Analyse zur Verfügung stehen, sind visuelle Analysemethoden prädestiniert, da die Komplexität und Menge der Daten sonst kaum überblickt werden kann. Die Fallstudien der anderen Teilprojekte bieten deswegen die Gelegenheit, die im Projekt „Visual Linguistics“ entwickelten Visualisierungsmethoden zu erproben. 2) Andererseits sind Formen digitaler Kommunikation, etwa soziale Netzwerke oder Chats, stark von typischen Visualisierungen geprägt, die sie erst als Netzwerk oder Chat erlebbar machen. Daran ist die prägende Kraft von Visualisierungen sichtbar, die sogar bis auf die Ebene der Analyse durchdringt (vgl. die Netzwerkforschung).

Prof. Dr. Thomas Gloning: Methodisch-methodologische Aspekte digitaler Diskursanalysen

Im Mittelpunkt der Fallstudie, die der Teilthematik 1 zuzuordnen ist, stehen drei methodisch-methodologische Fragen: 1) Wie und in welchen Untersuchungsbereichen können digitale Verfahren die Analyse historischer Diskurse unterstützen? 2) Wie kann man die mit digitalen Methoden gewonnenen Befunde systematisch kontrollieren durch Abgleich mit „traditionell“ erarbeiteten Befunden? (3) Wie können digitale Verfahren die Ergebnisdarstellung und Ergebnisdokumentation unterstützen und integrieren?

Zu den wesentlichen Untersuchungsaspekten gehören: Formen des sprachlichen Handeln (u.a. Argumentieren) und seiner sequentiellen Bezüge; Aspekte des Wortgebrauchs und der Wortbildung; Themenorganisation und Themenentwicklung; die Rolle von Medien und einzelnen Ressourcen für die kommunikativen Handlungsspielräume. Die Untersuchungsgegenstände entstammen drei Bereichen (historische Technikdiskurse; Kontroversen im Umkreis der ersten Frauenbewegung; Wissenschaftskommunikation mit neuen Medien) und werden durch die methodologischen Fragestellungen zusammengehalten.

Dr. Eva Gredel: Digitale Diskurse: Wikipedia als Korpusressource zum Sprach- und Kulturvergleich. Computergestützte Diskursanalysen zu Dynamiken ökonomischer, historischer und politischer Wissensbestände

In ihrem Habilitationsprojekt versteht Eva Gredel die Online-Enzyklopädie Wikipedia nicht nur als kontrovers diskutiertes Nachschlagewerk, sondern als eines der erfolgreichsten Projekte im Social Web und als sozialen Raum, in dem die sprachliche Konstruktion von Wirklichkeit sichtbar wird. Das Projekt bezieht neben den Artikelseiten auch korrespondierenden und hypertextuell verlinkten Diskussionsseiten und Versionengeschichten in die diskursanalytische Untersuchung als Korpusmaterial ein. Durch den dort stattfindenden Prozess der kollaborativen Wissenskonstruktion wird die perspektivische Sachverhaltskonstitution durch einzelne Akteure der Wikipedia transparent.

Die für das Netzwerk ausgegliederte Fallstudie zur Teilthematik 2.c betrachtet die über Links verfügbaren Sprachversionen der Wikipedia als thematisch zusammenhängende Teilkorpora, die zu bestimmten Themen kulturelle Differenzen rekonstruierbar machen. Bereits die Lemmata (bzw. Artikelüberschriften) sind in diesem Zusammenhang aufschlussreich: Während sich zum deutschen Eintrag Krimkrise das französische Pendant Crise de Crimée findet, hat sich in der englischen Wikipedia das Lemma Annexation of Crimea by the Russian Federation durchgesetzt. In einer kontrastiv angelegten Diskursanalyse werden solche Unterschiede über ein eigens erhobenes Korpus ausgewertet, das hypertextuelle und multimodale Spezifika aufweist und somit methodische Innovationen einfordert

Kristina John, M.A.: Die Aushandlung von guter Elternschaft in der Blogosphäre

Die Fallstudie knüpft an die Befunde der Dissertation von Kristina John über die Darstellung von Eltern in der Berichterstattung in Qualitätstageszeitungen und der Blogosphäre im internationalen und zeitlichen Vergleich an. Dabei wird beleuchtet, inwiefern mithilfe von neuen Methoden aus den Digital Humanities die Aushandlung von Elternschaft in der Blogosphäre und ausgesuchten Internetforen analysiert werden kann. Aktuelle Debatten wie beispielsweise unter dem Hashtag „Regretting Motherhood“ und oft aufgerufene Blogs wie Networkingmom.de weisen darauf hin, dass den neuen sozialen Medien eine wichtige Rolle in der Gestaltung des normativen Wandels zur Elternschaft und des Diskurses zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zukommt. Die Fallstudie wird im Zusammenhang mit der Teilthematik 2.b „Gewalt und Konflikt“ eingebracht.

Dr. Janine Luth: Diskurse in sprachvergleichenden Untersuchungen

Im Europäischen Zentrum für Sprachwissenschaften (EZS) kooperieren SprachwissenschaftlerInnen verschiedener Philologien des Instituts für Deutsche Sprache Mannheim und der Universität Heidelberg, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Forschung in multilingual-europäischer Perspektive anzugehen: Aus diesem Blickwinkel erscheint eine Untersuchung von (digitalen) Diskursen lohnenswert, deren Themen in mehreren Ländern und in mehreren Sprachen verhandelt werden und in denen beispielsweise unterschiedliche Konzepte bei Ähnlichkeiten auf der Ausdrucksseite ausgemacht werden können (die Romanistin Martina Schrader-Kniffki zeigt die Relevanz solcher Analysen am Beispiel des Ehec-Ausbruchs im Jahr 2011, der sogenannten „Gurkenkrise“). In dem Projekt soll weiterhin auch der Idee einer „europäischen Öffentlichkeit“ nachgegangen werden (vgl. den Ansatz zur „transnationalen Diskurslinguistik“ der Germanistin Derya Gür-Şeker). Dabei soll im Besonderen geprüft werden, inwiefern Neue Medien zur Entwicklung einer solchen beitragen. Es wird dabei auch eine vergleichend-integrative Studie zu traditionellen Print-Medien und Neuen/Sozialen Medien angestrebt.

Prof. Dr. Konstanze Marx: Shitstorms – Diskurs-Dynamiken kollektiver Entrüstung

In dem Projekt soll das Phänomen des sogenannten Shitstorms im World Wide Web linguistisch untersucht werden. Auf der Korpus-Grundlage aktueller Shitstorms soll analysiert werden, ob es sich hier um eine Textsorte handelt oder um eine interaktionistisch ausgehandelte Zuschreibung. Dabei soll auch die situative Einbettung der Textgenerierung berücksichtigt werden. Gibt es beispielsweise Gemeinsamkeiten in den Ereignissen, die Shitstorms vorausgehen? Gibt es Merkmale, die alle Themen, die in Shitstorms zur Sprache kommen, gemeinsam haben? Zusätzlich soll gefragt werden, ob sich spezifische rhetorische Muster erkennen lassen, die es bereits vor der computervermittelten Kommunikation gab.

Dr. Simon Meier: Diskursive Konstruktion von Gattungen des Konflikts in den digitalen Medien

In einem laufenden Forschungsprojekt entwickelt Simon Meier einen auf den Aspekt medialer Rekontextualisierungen abhebenden, diskursorientierten Gattungsbegriff zur Beschreibung von Textsortenwandelphänomenen in den digitalen Medien, die als Wandel sprachlicher Textmuster noch nicht hinreichend bestimmt sind. Ausgehend von der Beobachtung, dass bestimmte Kommunikationsformen wie „Wutreden“ oder „Selfies“ durch veränderte, internetgestützte Rezeptionsbedingungen erst ihr eigentliches Profil erhalten, ist nach dem gattungskonstruktiven Potenzial medialer, insbesondere internetbasierter Rekontextualisierungen (etwa Tweets und Retweets, Postings und Kommentare in sozialen Netzwerken usw.) zu fragen.

In Kontext des Netzwerks sind dabei vor allem jene Kommunikationsformen von Interesse, die mit der Austragung von Konflikten und der Markierung von Identitätsansprüchen zu tun haben und in der Tat einen charakteristischen Zug digitaler Kommunikation darstellen. In der Fallstudie sollen gleichwohl weniger diese Konflikte selbst als vielmehr die digitalen Diskurse über ihrerseits digitale Formen konfliktärer Kommunikation untersucht werden, die das öffentliche Bild einer Kultur der Geringschätzung und Missachtung im Internet maßgeblich prägen. Damit wird dem für das Forschungsthema des Netzwerks so relevanten Umstand Rechnung getragen, dass digitale Diskursphänomene häufig durch ein hohes Maß an Reflexivität gekennzeichnet sind und seitens der Diskursakteure selbst laufend reflektiert, proliferiert und teilweise auch hinterfragt werden.

Dr. Ruth M. Mell: Inszenierte Subjekte – digitale Praktiken. Eine diskursmediale Analyse sprachlich-semiotischer Positionierungsstrategien in sozialen Netzwerken

In ihrem Projekt beschäftigt sich Ruth M. Mell mit digitalen Praktiken der Selbstinszenierung im Social Web, die sie als diskursive Strategien identifiziert. Ziel der Untersuchung ist es einerseits, durch die Analyse digital geführter Diskurse, wie z.B. in Wikis, auf Facebook oder Twitter, die Strategien von Abgrenzung und Selbstinszenierung digitaler Subjekte, z.B. in Form von Avataren, im medialen Diskurs des Social Web zu ermitteln. Andererseits sollen diese Strategien aus diskurs- und netzwerkanalytischer Perspektive darauf hin untersucht werden, inwieweit jene als machtbasierte Positionierungspraktiken verstanden werden können.

Die Fallstudie kombiniert Diskursanalyse und Netzwerkanalyse in innovativer Weise, um mittels diskursmedialer Analyse digitaler sozialer Netzwerke die kollaborativen Aushandlungsprozesse sichtbar zu machen, die bei solchen sprachlich-semiotischen Positionierungsstrategien dann zu Tage treten, wenn es um die Schaffung und Generierung digitaler Subjekte geht. Das innovative Moment dieses Projekts, welches die Dynamiken sozialer Netzwerke in den Fokus rückt, besteht zudem in der Kombination von korpuslinguistischen Verfahren unter Berücksichtigung netzwerkanalytischer Zugänge, welche die Akteure auch unter soziometrischer Perspektive betrachten. Zugleich wird hierbei linguistische Diskursanalyse in einer digitalen Umgebung erprobt.

Dr. Christian Pentzold: Gegenstandsbezug und Methodenadäquanz in der Auswertung transmedialer, multimodaler Diskurse

Das von Christian Pentzold durchgeführte Projekt diskutiert erstens die methodologischen Grundlagen eines an der Grounded Theory orientierten Auswertungsverfahrens zum Rekonstruieren verbal und visuell konstituierter Deutungsmuster. Dazu wird die Grounded Theory als Verfahrensrahmen verstanden, daraus Kodier- und Konzeptualisierungsschritte abgeleitet und auf Dokumentenkorpora bezogen. Dann ist zweitens zu zeigen, wie durch deduktive Schemata aus der Framesemantik und Sozialsemiotik das Kodieren methodisch angeleitet werden kann. Methodologisch und methodisch zu reflektierender Gegenstandsbereich sind transmediale, multimodale Diskurse. Ihre kommunikative Organisation ist davon geprägt, dass Kommunikationsformen technologisch und inhaltlich konvergieren und sich zugleich ausdifferenzieren. Hinsichtlich ihrer semiotischen Konstitution steht die Diskursanalyse vor der Aufgabe, die Bedeutungsstiftung von Typografie, Layout und Farbe, von Bewegtbild, Bild-Bild- bzw. Bild-Sprache-Kombinationen zeichenadäquat zu berücksichtigen.

Die für die Netzwerk-Arbeit ausgegliederte Fallstudie untersucht, wie digitale Datenmengen und sie begleitende Prozesse im Diskurs zur so genannten Handygate-Affäre 2011, eine Funkzellenabfrage der sächsischen Polizei betreffend, themenbezogen gerahmt werden. Dabei wird die methodische Kombination zur Analyse von Text-(Bewegt-)Bild-Kombinationen erprobt.

Doz. Dr. Janja Polajnar Lenarcic und Dr. Tanja Škerlavaj: Bologna-Reform als kulturelle und gesellschaftliche Herausforderung. Ein kontrastiver Beitrag zur kulturanalytischen Diskursgeschichte mit einem transkulturellen Vergleich

Das internationale Projekt untersucht den Bologna-Prozess als gesamtgesellschaftlich relevantes Thema und seine sprachliche Konstruktion in den öffentlichen Massenmedien in deutschen, slowenischen und bosnisch herzegowinischen Leitmedien zwischen 1999 und 2013 unter Beteiligung unterschiedlicher Akteure. Da der Bologna-Prozess in den betroffenen Ländern eine Spannung zwischen einer globalen Ausrichtung auf den einheitlichen europäischen Hochschulraum hin bei gleichzeitiger Verfolgung von nationalen sowie hochschulbezogenen Interessen darstellt, ist zu erwarten, dass jeweils andere kulturelle Aspekte im Vordergrund stehen. Indem Diskursausschnitte aus mindestens zwei Kulturgemeinschaften innerhalb bestimmter Zeiträume miteinander verglichen werden, werden die in diesen beiden Gemeinschaften diskursiv erzeugten Wissensformationen deutlich, die sich in Schlüsselwörtern, Metaphern und Argumentationsmustern manifestieren.

Die für das Netzwerk ausgegliederte Fallstudie betrachtet die Entstehung, Verfestigung und den Wandel von Topoi in massenmedialen Texten zum Bologna-Diskurs aus der Süddeutschen Zeitung und der slowenischen Tageszeitung Delo. Das eigens gebildete Diskurskorpus wurde in beiden Sprachen anhand ausgewählter Suchanfragen aus zentralen lexikalisch-semantischen Einheiten des Bologna-Diskurses erhoben. Mithilfe eines kultur-kontrastiven Ansatzes werden kulturrelevante Unterschiede insbesondere im Hinblick auf das Zusammenspiel von Argumentationsstrukturen bzw. Topoi und Akteuren fokussiert.

Prof. Dr. Joachim Scharloth und Josephine Obert: Kompositaanalyse als Analyse von Framingstrategien

Joachim Scharloth und Josephine Obert befassen sich unter dem Schwerpunkt 2.c „Macht und Konflikt“ im Rahmen der Fallstudien-Beiträge des Netzwerks mit einer datengeleiteten Analyse, welche die semantische Relation zwischen einzelnen Kompositionsgliedern analysiert. Im Hinblick auf die momentane politische und gesellschaftliche Situation in Deutschland bietet es sich an, diese Studie auf der Grundlage von Korpora aus verschiedenen “asylkritischen” Onlineforen und Kommunikationsplattformen, z.B. Facebook-Gruppen oder Twitter-Feeds, anzusiedeln. Im Zuge von Organisationen wie PEGIDA und den dazugehörigen Ablegern oder dem von Thomas de Maizière organisierten Forum im Kulturhaus Freital tauchen in den daraus entstehenden Diskussionen immer wieder Komposita wie Flüchtlingsflut, Asylantenstrom, Wirtschaftsflüchtling, oder Asylbetrüger auf, welche auch eng mit weiteren linguistischen Merkmalen wie Metaphern oder politischen Schlagwörtern verknüpft sind. Es soll in dieser ausgegliederten Fallstudie untersucht werden, inwiefern und aufgrund welcher semantischen Eigenschaften sich derartige Komposita als Hate Speech konstituieren lassen.

Juniorprofessor Dr. Friedemann Vogel: Konfliktlinguistik 2.0 – Soziogrammatik computergestützter Kommunikation am Beispiel der Wikipedia

Das Projekt widmet sich den sprachlichen und multimodalen Mustern konfliktärer Interaktion in der Internetkommunikation. Im Fokus stehen die Selbst- und Fremdpositionierungen rivalisierender Gruppen in der Wikipedia, wie sie im technischen Rahmen der Mediawiki-Software sowie unter Rückgriff medial-schriftlicher, piktografischer, auditiver wie audiovisueller Formen konstituiert und verhandelt werden. Methodische Grundlage bilden zum einen computergestützte Verfahren der Diskurslinguistik sowie hierfür neu geschaffene Korpusinfrastrukturen. Zu letztem zählt insbesondere das mehrdimensionale und am Ende rund 600 Mio. Beiträge umfassende Korpus InterWiko, das sämtliche Diskussionsbeiträge der deutschsprachigen Wikipedia nebst ihrer interaktiven Verlaufsstruktur in einer relationalen Datenbank abbildet, mit sozialstatistischen Metadaten ergänzt und damit für sozio-, medien- und gesprächslinguistische Analysen aufbereitet wird. Das Korpus wird 2016 mit einer Webapplikation der Forschungsgemeinde frei zur Verfügung gestellt. Die Auswertung erfolgt einerseits qualitativ durch eine interaktionsanalytische Auswertung ausgewählter Konflikt-Sequenzen. Diese qualitativen Mikroanalysen werden ergänzt durch globale, korpuslinguistische Matrixanalysen, in denen induktiv (corpus driven) Sprecher- bzw. Schreiber-Gruppen kontrastiv ermittelt und in ihrer soziogrammatischen Dimension beschrieben werden.

Dr. Janina Wildfeuer: Zur Semantik des medialen Artefakts

Ziel des Habilitationsprojekts von Janina Wildfeuer ist die Erarbeitung einer Semantik des medialen Artefaktes im Hinblick auf eine umfassende multimodale und diskurssemiotische Analyse unterschiedlichster Textsorten in medialer Umgebung. Das antragsspezifische Teilprojekt fokussiert dabei auf den Bereich der Diskursstruktur digitaler Diskurse und ihrer formalen Analyse mithilfe diskurssemantischer Ansätze. Hierbei geht es zum einen um die Untersuchung von Kohärenz im Sinne von Diskursrelationen, die zwischen den einzelnen Segmenten innerhalb der Diskurse inferierbar sind, zum anderen um die Frage, wie aufgrund dieser Relationen neue Informationen im Diskurs verarbeitet und an bestehende Informationen herangeführt werden. Das Projekt zielt damit auf eine umfangreiche Analyse multimodaler Informationsverarbeitung ab, die besonders komplexe narrative und expositorische Strukturen sowie unterschiedliche Beschreibungsebenen in den Blick nimmt. Für Film und Comic sowie auch digitale Online-Diskurse ist es durchaus typisch, dass mehrere diegetische/Beschreibungs-Ebenen parallel zueinander verlaufen und gemeinsam den semantischen Gehalt konstruieren, während dies im verbalen Diskurs selten der Fall ist. Wie die unterschiedlichen semiotischen Ressourcen dabei Bedeutung konstruieren und die RezipientInnen in ihrer Interpretation steuern, ist längst noch nicht einheitlich und systematisch beschreibbar. Das Projekt zielt deswegen auf die folgenden Fragen ab: Welche Arten von Diskursstruktur sind in multimodalen Texten verfügbar? Welche Art von Information ist für die dynamische Entfaltung des Diskurses entscheidend? Welche Informationen sind notwendigerweise inferentiell zu verarbeiten und wie? Zur Beantwortung der Fragen ist eine empirische Untersuchung unterschiedlichster multimodaler Artefakte notwendig, um verlässlichere Informationen über die Interpretation dieser Diskursformen zu erlangen – eine Textsortengröße sind dabei auch die digitalen Diskurse online.

Gefördert durch die  Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)